Sanetschpass: Alpenpass, Aussicht und Velotour im Wallis

Der Sanetschpass zählt zu den beeindruckendsten und anspruchsvollsten Alpenpässen der Westschweiz. Auf 2.253 Metern über Meer vereint er alles, was eine Bergfahrt unvergesslich macht:

  • eine Landschaft, die sich von Rebbergen bis zu Gletschermoränen wandelt
  • eine geografische Besonderheit, wo Sprachgrenze und Wasserscheide zusammentreffen
  • eine Velostrecke, die sportlich geforderte Fahrer belohnt wie kaum eine andere im Wallis

Wer einmal oben steht, versteht sofort, warum dieser Pass als mythisch gilt. Wer ihn ohne Vorbereitung angeht, versteht es spätestens auf halber Strecke.


Sanetschpass: Lage, Höhe und Bezeichnungen

Der Pass trägt drei Namen, je nach Sprachraum. Auf Deutsch heisst er Sanetschpass, auf Französisch Col du Sanetsch oder Col de Sénin. Er liegt in den Berner Alpen und gehört zur Gemeinde Savièse im Kanton Wallis. Die Passhöhe beträgt zwischen 2.252 und 2.253 Metern über Meer. Damit zählt er zu den hohen Alpenpässen der Schweiz.


Warum der Sanetschpass geografisch besonders ist

An diesem Pass treffen zwei bedeutende Linien aufeinander. Die Sprachgrenze zwischen Deutsch und Französisch verläuft direkt hier. Die Wasserscheide teilt das Gebiet zwischen dem Rhône-Einzugsgebiet (Mittelmeer) und dem Rhein-Einzugsgebiet (Nordsee). Der Pass verbindet das Rhônetal mit dem Gebiet der Sarine. Das Massiv der Diablerets begrenzt ihn im Westen, das Wildhorn-Massiv im Osten. Für jemanden wie mich, der am Röstigraben aufgewachsen ist, hat dieser Ort etwas fast Symbolisches.


Anfahrt und Zugang zum Sanetschpass

Mit dem Auto fährt man über die Autobahn A9, Ausfahrt 25 Conthey. Parkplätze befinden sich im Einkaufsgebiet von Conthey. Im Sommer verbindet ein Postauto Sion einmal täglich mit dem Stausee. Zugverbindungen auf der Simplon-Linie halten in Châteauneuf-Conthey. Die Anreise ohne Auto ist also möglich, braucht aber sorgfältige Planung.

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Die Passstrasse: Verlauf, Steigungen und Schwierigkeit

Kenngrösse Wert
Gesamtlänge ca. 24,25 km
Gesamtanstieg +1.814 m
Gesamtabfahrt ca. -75 m
Durchschnittliche Steigung ca. 9,5 %
Maximale Steigung ca. 15 %
Tiefster Punkt 512-514 m ü.M.
Höchster Punkt 2.253 m ü.M.
Geschätzte Fahrzeit ca. 2h 30min

Die Route startet in Conthey auf 514 Metern. Sie führt über Vuisse, Chandolin und den Pont du Diable zur Erde-Passstrasse. Ein kurzer Abstieg von rund einem Kilometer kommt unterwegs vor. Danach steigt die Strasse bis zum Gipfel ohne Unterbruch. Die Strecke ist fast durchgehend Anstieg.


Die Landschaft am Sanetschpass: Gletscher, Felsen und Täler

Die Route wechselt ihr Gesicht mehrmals. Sie beginnt in den Rebbergen von Savièse, führt dann durch Wälder mit Lärchen und Fichten, weiter über Alpwiesen und Weiden. Unterwegs begegnet man Wasserfällen, engen Schluchten, steilen Felswänden und einem Tunnel im Fels. Das Ziel liegt fast an den Moränen des Tsanfleuron-Gletschers. Vom Pass aus öffnet sich der Blick auf diesen Gletscher, der durch den Klimawandel stark unter Druck steht. Der Schweizer Schriftsteller Charles Ferdinand Ramuz hat diese Gegend in seinem Roman La Séparation des races beschrieben und dabei einen Konflikt zwischen Bernern und Wallisern geschildert.


Sanetschpass mit dem Velo: Für wen lohnt sich die Tour?

Diese Tour richtet sich ausschliesslich an sportlich erfahrene Bergfahrer. Anfänger und Familien ohne Bergfahrerfahrung sollten die Strecke nicht unterschätzen. Die fast 1.815 Höhenmeter auf unter 25 Kilometern verlangen konditionelle Stärke und mentale Ausdauer. Wer lange Anstiege liebt, alpine Panoramen sucht und sich auf eine Einweg-Tour mit Seilbahnrückfahrt einlassen kann, findet hier eine der schönsten Bergfahrten im Wallis.


Wanderungen und Alternativen ab dem Col du Sanetsch

Wanderer finden rund um den Pass attraktive Alternativen zur Velotour. Die Gegend um das Sanetschhorn im Westen und den Arpelistock im Osten bietet markierte Routen durch Gletscherzonen und Moränen. Wer weniger Kondition mitbringt, kann den Sanetsch-Stausee auf der Nordseite als Ziel wählen und ab dort zu Fuss aufsteigen. Die Kombination aus Wanderung, Aussicht und einer Rast bei der Auberge am Stausee ist auch für gemächtlichere Bergfreunde empfehlenswert.

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Seilbahn, Stausee und öffentliche Verkehrsmittel

Eine kleine Seilbahn verbindet den Pass mit Gsteig auf der Nordseite. Sie ist für Velofahrende und Wanderer auf dem Rückweg besonders praktisch. Der Sanetsch-Stausee liegt ebenfalls auf der Nordseite und ist ein wichtiger Infrastrukturpunkt. Mit dem Postauto (einmal täglich, Sommer) erreicht man den See ab Sion. Fahrplan und Velo-Transport sollten vorab bei den Verkehrsverbünden geprüft werden.


Beste Saison, Wetter und Sperrungen

Der Sanetschpass ist nur im Sommer offen, in der Regel von Mai bis Oktober. Im Winter ist er gesperrt. Das Wetter auf 2.253 Metern wechselt schnell. Selbst im Sommer sind Kälte, Wind und Gewitter möglich. Aktuelle Strassensperrungen prüft man am besten via Kanton Wallis oder Via Suisse. Frühmorgens zu starten empfiehlt sich, um Nachmittagsgewittern auszuweichen.


Ein häufiger Fehler: Den Pass als einfache Rundtour unterschätzen

Von der Nordseite aus ist der Pass nicht mit dem Auto erreichbar. Die Strasse endet am Stausee, rund 5 Kilometer vor dem Gipfel. Wer eine klassische Rundtour plant, wird überrascht. Der Rückweg führt entweder über die Seilbahn nach Gsteig oder über denselben Weg zurück. Letzteres bedeutet fast 1.815 Höhenmeter Abfahrt, die bei nasser Strasse technisch anspruchsvoll ist.


Sicherheit, Ausrüstung und praktische Tipps für die Fahrt

Das Wichtigste

  • Velo in einwandfreiem technischen Zustand mitbringen (Bremsen prüfen!)
  • Helm, Handschuhe, Regenschutz und ausreichend Verpflegung einpacken
  • Abfahrt wegen möglichem Steinschlag und steiler Passagen langsam angehen
  • Notrufnummern kennen: 144 (Ambulanz), 117 (Polizei), 1414 (Rega)
  • Karten SwissTopo 1:25.000, Blätter 1306 Sion und 1286 St-Léonard, mitnehmen

Die Benutzung der Route erfolgt auf eigenes Risiko. Die Schweizer Verkehrsregeln gelten auch hier. Flora, Fauna und das Gletschergebiet verdienen besonderen Respekt. Unterwegs gibt es kaum Infrastruktur. Wasser und Snacks von Anfang an dabei zu haben, ist keine Option, sondern Pflicht.

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